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  • Geschichte unserer Sternenkinder

Die Geschichte von Leonie und Tim

Teil 2 Sternenkind Tim



Im März entschieden wir, dass wir noch einen Versuch wagen und im Juni 2008 testete ich wieder positiv. Die Freude war verhalten.

Was, wenn wieder etwas schief geht?

Ich war bei meiner Psychologin und sie versuchte mir meine Ängste zu nehmen und freute sich für uns. Dann teilte sie mir mit, dass sie für ein zwei Jahre nicht da sein würde. Ich fragte, ob wir nicht in Kontakt bleiben könnte. Sie sagte, dass das leider nicht geht. Leider endete die Schwangerschaft dann in der 9. SSW in einer Missed Abortion.

Es gab nie einen Herzschlag.

Ich war einen Tag nach der Diagnose zur Ausschabung in der Uniklinik.

Diese Fehlgeburt verkraftete ich um einiges besser, als die stille Geburt. Die Ärztin, die Ausschabung durchgeführt hatte, kam zum Entlassungsgespräch und sagte, dass sie nur absaugen musste, was schonender ist. Bei erneutem Kinderwunsch könne ich mich gern an die Uniklinik wenden und würde dort engmaschiger betreut.


Der Kinderwunsch war jedoch wieder in die Ferne gerückt. Er kam irgendwann wieder.

Ende November / Anfang Dezember 2008 testete ich wieder positiv.

Ich blickte positiv in die Zukunft. Ein 3. Mal wird es uns nicht treffen. Im Hinterkopf war jedoch immer die Angst. Beim Ersttrimesterscreening wurde eine die Nackenfalte von 2,5 mm gemessen. diese war laut dem Arzt grenzwertig.

Wir ließen aus Angst, auch unser Sohn könnte krank sein, die Fruchtwasseruntersuchung durchführen. Das Risiko eines Blasensprungs gingen wir ein, mit dem Gedanken 'die Chorionzottenbiopsie war viel riskanter und ist gut gegangen, da geht die Fruchtwasseruntersuchung auch gut'.

Das Schicksal meinte es jedoch nicht gut mit uns, denn ich hatte zwei Nächte später einen Blasensprung und verlor sehr viel Fruchtwasser. Wir sind gleich in die Uniklinik gefahren, auch da verlor ich noch Fruchtwasser.

Ich fragte die Ärztin, ob unser Sohn zu retten ist. Sie schüttelte stumm dem Kopf. Dann sagte sie, dass er bereits in Geburtsposition liegt und kaum noch Fruchtwasser vorhanden ist.

Unser Hoffnung wurde zerstört.


Erneut brach meine Welt zusammen und ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich musste im Krankenhaus bleiben und hatte am nächsten Tag ein ausführliches Gespräch mit einem anderen Arzt.

Er erläuterte uns die extrem schlechte Prognose. Schweren Herzens entschieden wir uns, die Schwangerschaft zu beenden.

Der Arzt sagte: „Wir leiten die Geburt ab morgen früh 9 Uhr mit Cytotec ein. So können Sie noch eine Nacht schlafen und Kraft tanken.“

An Schlaf war jedoch nicht zu denken, da ich, wie im Jahr 2007, immer wieder zu weinen anfing.


Am 28.02.2009 brachte ich um 23:55 Uhr unseren Tim in der 17. SSW zur Welt.

Wieder blieb es, genau wie nach Leonies Geburt still, zu still.

Ich fing zu weinen an, sagte aber, dass ich meinen Sohn sehen möchte. Die Hebamme nahm ihn erst einmal mit und brachte ihn mir kurze Zeit später. Er lag in einem kleinen Weidenkörbchen und war mit einer Mullwindel zugedeckt.

Ich war ganz überwältigt. Er sah so friedlich aus, als würde er schlafen. Ich fragte, ob ich die Windel wegnehmen könnte. Die Hebamme sagte ja. Dann ließ sie mich allein.


Unser Sohn sah so vollkommen aus. Er hätte nur noch wachsen müssen. Er war schon ein vollkommener kleiner Mensch. Man konnte alles erkennen, das Gesicht, die Ohren, die Finger und Zehen. Ich war wie gelähmt und konnte nicht mehr weinen. Ich konnte den Blick nicht von meinem Sohn abwenden. Aber ich wagte es nicht, ihn zu berühren. Nur kurz berührte ich sein Köpfchen, zog meine Hand aber erschrocken zurück, als er zur Seite rollte.


Mein Mann rief am nächsten Tag sehr früh an. Ich erzählte ihm, dass ich es geschafft habe und wir weinten beide am Telefon. Er kam dann auch recht schnell zu mir. Ich sagte, dass gleich unser Sohn gebracht wird, er ihn aber nicht ansehen muss, wenn er nicht möchte. Da ging die Tür schon auf und unser Sohn wurde gebracht. Wieder weinten wir beide.

Ein paar wenige Fotos haben wir von unserem Sohn (da wir nicht in der Lage waren, mehr Fotos zu machen, leider zu wenig). Mir half es in der Trauerarbeit sehr, unseren Sohn gesehen zu haben. Meinem Mann dagegen nicht.

Unser Tim sah so friedlich aus, als würde er schlafen.

Mein Mann sagte, dass wir dieses Mal die Sammelbestattung mitmachen sollten. Das hatte ich sowieso vor. Den gleichen Fehler wie 2007 wollte ich nicht wieder machen. Ich sagte, dass wir unserem Sohn dann auch einen Namen geben sollten. Mein Mann sagte: „Tim Pascal, das wolltet ihr doch.“ Wir weinten wieder.


Mein Mann fragte später nach psychologischer Unterstützung für mich. Eine Schwester sagte, dass die Psychologin nicht im Dienst ist. Dann versuchte sie, einen Termin bei einem/r Psychologen/in zu vereinbaren. Sie rief bei 5 Psychologen/innen an. Aber der früheste Termin wäre erst in 5 Monaten. Traurig, wenn man die Hilfe sofort benötigt.


Kurz vor der Sammelbestattung rief ich die Seelsorgerin an, welche, die Bestattung durchführen würde und fragte sie, ob auch die Kinder mit bestattet werden, wo sich die Eltern gegen die Bestattung entschieden, wie wir 2007.

Sie sagte, ab einer bestimmten Schwangerschaftswoche schon, aber genau wusste sie nicht ab welcher Woche. Am nächsten Tag rief sie mich zurück und sagte, dass unsere Leonie mit bestattet wurde. Sie zeigte uns zur Bestattung die Stelle, wo unsere Leonie ruht.


So schwer es ist, zu wissen, da ruhen die Beiden, obwohl sie bei uns sein sollten, so tröstlich ist es, dass sie nah beieinander liegen und wir einen Ort haben, an dem wir ihnen ganz nah sein können. Wobei sie immer ganz nah bei uns sind, denn sie haben ihren Platz in unseren Herzen.


Da meine Psychologin nicht im Dienst war, bot mir die Seelsorgerin an, dass ich auch zu ihr kommen könnte, wenn ich möchte. In ihr fand ich eine gute Gesprächspartnerin.

Von Leonie gibt es leider nur medizinische Fotos. Was gäbe ich dafür, wenigstens ein Foto von ihr zu haben, das denen von Tim ähnelt.

Wir haben von Beiden eine Geburtskarte mit den Geburtsdaten und den Fußabdrücken. Ende 2015 ließen wir sie ins Stammbuch eintragen. Dies ist durch eine Petition der Familie Martin aus Hessen, für die ich auch unterschrieben habe, seit Mai 2013 möglich.


Wir haben eine Rose im Garten, welche wir nach Leonies Geburt von den Eltern einer Freundin unserer großen Tochter als Zeichen ihrer Anteilnahme geschenkt bekamen. Jedes Jahr erfreuen wir uns an ihren Blüten. Ich freue mich immer ganz besonders über die erste Blüte. Im Wohnzimmer haben wir eine Gedenkecke, welche ich Ostern und Weihnachten sowie zu den Gebuetstagen entsprechend dekoriere. Abends zünde ich ganz oft eine Kerze für Leonie und Tim an.


Nachdem ich im Oktober 2009 einen frühen Abgang in der 6. SSW hatte, durften wir im Januar 2010 wieder positiv testen. Nach einer unkomplizierten, jedoch von Ängsten überschatteten, SS, durften wir im September 2010 nach Einleitung 5 Tage vor dem eigentlichen ET unsere kleine Tochter in die Arme schließen. Als ich ihren ersten Schrei hörte, fiel mir ein Stein und nach "erfolgreich bestandener" U 1 ein ganzes Gebirge vom Herzen. Sie ist unser aller Stolz und hat in Leonie und Tim die besten Schutzengel, die man sich wünschen kann. Sie wachen ganz sicher über ihre kleine Schwester und unsere Familie.


Während der Schwangerschaft begleiteten mich sowohl meine „alten“ Psychologin, die seit Januar 2010 wieder im Dienst war, als auch die Seelsorgerin. Die Gespräche mit Beiden taten mir immer gut.

Auch meine Familie war mir immer eine große Stütze.

Als wir Leonie und Tim das erste mal mit unserer kleinen Maus an ihrer Ruhestätte besuchten, sagte mein Mann: „Schaut, hier ist sie! Passt schön auf sie auf!“ und „Mit ihrer Geburt hat der lange und steinige Weg seinen Sinn gefunden und der Kreis hat sich geschlossen.“

Seine Worte rührten mich zu Tränen. Wir nahmen uns ganz fest in die Arme.


Leonie und Tim haben ihren Platz in unseren Herzen und werden nie vergessen sein!



- Das ist die Geschichte von Tim, unserem Sternenkind, gestorben in der 17. Schwangerschaftswoche -

Gastbeitrag von Sandra (@sternchenleonieundtim)





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